ÜBERWINTERUNG

Wahl der Überwinterungsmethode

Bei der Wahl der richtigen Überwinterungsmethode ist die Herkunft einer Pflanze massgebend. Dabei wird zwischen Pflanzen aus tropischen, subtropischen und gemässigten Klimazonen unterschieden. Bananen aus subtropischen und gemässigten Klimazonen benötigen ein Winterruhe mit deutlich kühleren Temperaturen, aber auch tropische Pflanzen sind aufgrund der Regen- und Trockenzeit an Unterschiede im Vegetationszyklus gewohnt.

Die Herausforderung bei der Überwinterung von Bananenstauden in der Schweiz mit Frost und wenig Tageslicht besteht darin, die Bedürfnisse der unterschiedlichen Arten bezüglich Temperatur, Licht und Luftfeuchtigkeit möglichst ideal zu schaffen.

Überwinterung von tropischen Arten

Methode

Die Bananenstauden werden bei Temperaturen von 16 bis 18 °C an einem hellen Standort mit hoher Luftfeuchtigkeit überwintert. Die Temperaturen dürfen schwanken, müssen aber immer über 10 °C liegen. Mengenmässig wird weniger gegossen und erst dann, wenn sich das Substrat vom Topfrand löst. Die Düngung wird eingestellt.

Herausforderungen und Massnahmen

Lichtmangel

Die kurzen und dunklen Wintertage führen oft zu einem Mangel an Tageslicht. Die Pflanzen vergeilen und reagieren mit deutlich beschleunigtem Längenwachstum. Bestehende Blätter sterben ab und die neue Blätter sind wesentlich blasser und entfalten sich nicht mehr richtig. Dem Lichtmangel kann mit künstlicher Beleuchtung entgegen gewirkt werden, wobei vorzugsweise spezielle Pflanzenlampen mit optimiertem Lichtspektrum eingesetzt werden.

Künstliche Beleuchtung von jungen Sämlingen bei Lichtmangel.

Lufttrockenheit

Tropische Arten mögen eine feuchte Umgebung. Die Luftfeuchtigkeit sollte deshalb über 50 % liegen, was aber in beheizten Innenräumen nicht immer der Fall ist. Luftbefeuchter und regelmässiges Besprühen der Bananenstauden mit destilliertem Wasser können Abhilfe schaffen und reduzieren zudem das Risiko von Spinnmilben.

Temperaturen über 20 °C

Oft sind die Temperaturen in beheizten Wohnräumen natürlich über dem optimalen Bereich von 16 bis 18 °C. Dadurch besteht eine gewisse Gefahr, dass die Pflanze keine Winterruhe einlegt, sämtliche Blätter behält und sogar weiter wächst.  Das ist zwar nicht weiter schlimm, kann aber dazu führen, dass die Pflanze im Frühjahr nicht unmittelbar austreibt und ihr Wachstum sogar für mehrere Wochen stoppt. Deshalb muss bei warmem Standort im Winter das Giessen deutlich reduziert und die Düngung eingestellt werden.

Überwinterung von subtropischen Arten

Methode

Die Bananenstauden werden bei kühlen Temperaturen zwischen 5 und 10 °C an einem dunklen und trockenen Standort überwintert. Je kühler die Temperatur, desto dunkler darf der Standort sein. Trotz kühlen Temperaturen muss der Standort aber unbedingt frostfrei sein!

Die Pflanzen können direkt in Töpfen überwintert werden, wobei nur noch sehr zurückhaltend gegossen und nicht mehr gedüngt wird. Die Blätter trocknen während der Überwinterung ein und können bereits vor der Einlagerung oder dann im Frühjahr abgeschnitten werden. Es ist aber auch möglich, die Pflanzen auszugraben und die nackten Scheinstämme mit den Rhizomen kühl, frostfrei und trocken zu überwintern, wie es z. B. auch mit Dahlien praktiziert wird. Wichtig: Bei Pflanzen der Gattung Ensete darf der Scheinstamm aber niemals eingekürzt werden, sonst treiben sie nicht mehr aus und gehen ein.

Herausforderungen und Massnahmen

Luftfeuchtigkeit

Bei kühler und dunkler Überwinterung ist eine trockene Umgebung wichtig, weil sonst Schimmelbefall und Fäulnis droht. Keller und Garagen sind zwar ideale Standorte bezüglich Temperatur und Dunkelheit, häufig aber auch ziemlich feucht. In solchen Fällen können die Pflanzen vor der Einlagerung vorsorglich mit einem Fungizid behandelt werden und das Winterquartier sollte bei frostfreiem und trockenem Wetter unbedingt gelüftet werden.

Überwinterung von Arten aus gemässigten Klimazonen

Grundsätze

Einige Bananenarten sind hart genug, um im gemässigten und kalten Klima im Freiland überwintert zu werden. Die bekanntesten Vertreter dieser Gruppe sind Musa basjoo und Musa sikkimensis. Die Überwinterung im Freiland erfordert aber immer einen minimalen Winterschutz, was mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Solange winterharte Arten in Töpfen gehalten werden, empfiehlt sich deshalb eine kühle und dunkle Überwinterung wie bei den subtropischen Arten.

Das Rhizom einer Bananenstaude ist der kältetoleranteste Teil der Pflanze. Die Rhizome von harten Arten vertragen kurzfristig Bodentemperaturen bis zu – 12 °C. Die Scheinstämme solcher Arten vertragen kurzfristig Temperaturen um die – 5° C, während die Blätter in der Regel bereits nach den ersten Frostnächten kraftlos und welk werden.

Der Winterschutz zielt primär auf den Schutz des Rhizoms ab. Grundsätzlich können alle Blätter abgeschnitten und die Scheinstämme bis auf rund 20 cm komplett zurückgeschnitten werden. Solange das Rhizom den Winter unbeschadet übersteht, treibt die Staude im Frühjahr wieder aus. Das zusätzliche Schützen der Scheinstämme mit entsprechenden baulichen Massnahmen erhöht aber die Wahrscheinlichkeit einer Blüte oder gar Fruchtbildung nach milden Wintern ganz entscheidend.

Minimaler Winterschutz

Jeder wirksame Winterschutz beruht auf einer isolierenden und trockenen Mulchschicht. Zum Mulchen kann trockenes Laub, Stroh oder Heckenschnitt verwendet werden. Wichtig ist, dass die Mulchschicht mindestens 80 cm dick ist und das Material gut verdichtet und komprimiert wird, damit es sich im Verlaufe des Winters durch den Frost und das Eigengewicht nicht setzt.

Die bauliche Umsetzung des Winterschutzes richtet sich vor allem nach der Grösse der Pflanze und der Höhe der Scheinstämme, die schadlos überwintert werden sollen. Bei fast vollständig eingekürzten Scheinstämmen oder bei kleinen Pflanzen kann aus Kaninchendraht oder Kompostgitter ein Käfig für das Mulchmaterial um die Pflanze gebaut werden. Bei grösseren Pflanzen sind Kisten oder Türme aus Holz die Regel. Unabhängig von der baulichen Umsetzung braucht es in jedem Fall einen Regenschutz, damit das Mulchmaterial trotz Regen und Schnee trocken bleibt! Zwischen der Mulchschicht und dem Regenschutz sollte eine Luftschicht von rund 20 cm belassen werden, um Kondenswasser an der Unterkante des Regenschutzes zu vermeiden.

Verbesserter Winterschutz

Die oben beschriebenen Massnahmen eignen sich für einen normalen Winter im Mittelland der Schweiz. Das Überwintern von weniger harten Arten wie Musa balbisiana oder Musa yunnanensis im Freiland erfordert zusätzliche Massnahmen beim Winterschutz. Im Falle eines Extremwinters kann es aber auch für die härtesten Arten wie Musa basjoo oder Musa sikkimensis schwierig werden, weshalb zusätzliche Massnahmen auch in diesen Fällen das Risiko des Verlusts einer Pflanze reduzieren.

Mögliche Massnahmen zur Verbesserung des Winterschutzes sind:

  • Dämmplatten (z.B. Styropor) in Erdnähe als zusätzliche Isolation
  • Scheinstämme vor dem Mulchen mit Vlies oder Kokosfasermatten umwickeln
  • Einsatz von Heizkabeln im Erdreich rund um das Rhizom
  • Umwickeln der Scheinstämme mit Heizkabeln

Beim Einsatz von Heizkabeln ist eine Temperaturregelung sinnvoll, damit die Temperatur im Winterschutz immer zwischen 3 und 10 °C ist. Bei wärmeren Temperaturen droht ein ungewollter, vorzeitiger Neuaustrieb.

Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte und praktische Beispiele zum Winterschutz finden Interessierte im Blog in der entsprechenden Kategorie “Winterschutz“.

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