ÜBER BANANEN

Morphologie

Bananengewächse sind weder Bäume noch Palmen, sondern Stauden. Die Bananenstaude wächst aus einem unterirdischen Rhizom und obschon die sogenannten Scheinstämme der Banane baumähnliche Höhen erreichen, sind sie nicht holzig und überleben nur wenige Jahre.

Bananenstauden bilden komplexe Blütenstände, aus welchen auch die Früchte wachsen, die aus botanischer Sicht übrigens zu den Beeren zählen. Jeder Scheinstamm blüht nur einmal und stirbt nach der Blüte ab. Pflanzen der Gattungen Musa und Musella treiben vor und während der Blüte aber sogenannte Schösslinge, Ableger oder Kindel aus dem Rhizom, die das Weiterleben der Pflanze sicherstellen.

Klassifizierung und Nomenklatur

Die Familie der Musaceae oder Bananengewächse ist eine von acht Familien in der Ordnung der ingwerartigen Pflanzen (Zingiberales). Die Bananenfamilie ist in die Gattungen Musa, Musella und Ensete unterteilt. Jede Gattung wird unten auf dieser Seite detailliert betrachtet.

Innerhalb einer Gattung werden Arten (Species, sp.), Unterarten (Subspecies, ssp. oder subsp.) und gegebenenfalls sogar Varietäten (Variety, var.) unterschieden. Diese Rangstufen sind auch bei der Namensgebung der Pflanzen (Nomenklatur) relevant, indem für die Bezeichnung einer Pflanze jeweils die Gattung und die Art und je nach Genauigkeit der Klassifizierung zusätzlich noch die Unterart oder Varietät verwendet werden. Eine Musa acuminata ssp. zebrina ist folglich eine Bananenstaude aus der Gattung Musa, der Art acuminata und der Unterart zebrina.

Mit diesem System lassen sich die wilden Bananenstauden gut unterscheiden. Etwas komplizierter und unübersichtlicher wird es wie so oft dort, wo der Mensch in die Natur eingreift. Durch Züchtung und gezielte Auslese enstehen Sorten mit bestimmten Merkmalen, die bei der Fortpflanzung erhalten bleiben. Kultursorten werden auch als Kultivare bezeichnet, ein zusammengesetztes Wort aus kultivierter Varietät. Der Name einer Kultursorte wird der Gattung oder Art in Hochkommas angehängt, zum Beispiel Musa ‘Grand Nain’. Durch natürliche oder künstliche Kreuzung von Pflanzen verschiedener Gattung, Art oder Unterart entstehen schliesslich Hybriden. Hybriden enthalten ein x zwischen Gattungsname und Artname.

Soweit die Theorie. In der Praxis gibt es bei der Bezeichnung einer Pflanze oft viele Synonyme und insbesondere bei den Kultursorten herrscht ein wahrer Wildwuchs an Bezeichnungen. Deshalb ist im Handel bei Saatgut wie auch bei Pflanzen eine eindeutige und zweifelsfreie Bestimmung leider nicht immer möglich. Oft habe ich auch schon erlebt, dass Pflanzen im Handel widersprüchlich oder falsch deklariert wurden.

Gattung Musa

Die Gattung Musa ist die grösste Gattung der Familie der Musaceae. Sie umfasst rund 70 Wildarten und mehrere hundert Kultursorten. Die klassifizierten Wildarten werden in fünf Sektionen unterteilt [1]:

Sektion Musa (früher Eumusa)

Die 15 Bananen der Sektion Musa stammen aus Borneo, Sumatra, den Philippinen, Papua-Neuguinea und Nordaustralien. Die Früchte sind grundsätzlich essbar, enthalten aber viele Samen. Die Pflanzen dieser Sektion bilden die Basis der meisten bekannten essbaren und samenlosen Kultursorten (Dessert- und Kochbananen).

M. acuminata
M. balbisiana
M. banksii
M. basjoo
M. celebrica

M. cheesmanii
M. griersonii
M. itinerans
M. lanceolata
M. nagensium

M. ochracea
M. schizocarpa
M. sikkimensis
M. thomsonii
M. yunnanensis

Sektion Callimusa

Die 22 Bananen der Sektion Callimusa stammen aus Südchina, Nordvietnam, Malaysia, Sumatra und Borneo. Die Blüten und in einigen Fällen sogar die Früchte dieser Pflanzen sind farblich sehr attraktiv. Sie werden deshalb hauptsächlich als Zierpflanzen kultiviert. Die Früchte haben viele Samen aber wenig Fruchtfleisch und sind deshalb ungeniessbar.

M. azizii
M. barioensis
M. bauensis
M. beccarii
M. borneensis
M. campestris
M. coccinea
M. exotica

M. gracilis
M. hirta
M. lawitiensis
M. lolok
M. lutea
M. monticola
M. mulunensis
M. paracoccinea

M. sakaiana
M. salaccensis
M. tuberculata
M. violascens
M. viridis
M. voonii

Sektion Rhodochlamys

Die 12 Bananen der Sektion Rhodochlamys stammen aus dem Tibet, aus Kambodscha und aus Yunnan (China). Die meisten Pflanzen dieser Sektion produzieren aufrechte Blütenstände mit farbenprächtigen Blüten und werden deshalb hauptsächlich als Zierpflanzen kultiviert. Ein spezifisches Merkmal der Sektion Rhodochlamys ist ihre hohe Toleranz gegenüber Trockenheit. In ihrer Heimat verfallen die Pflanzen während der Trockenzeit in eine vegetative Ruhepause. Mit dem Beginn der Regenzeit setzt dann ein schnelles Wachstum und die Blüten- und Fruchtbildung ein, bevor sie in der nächsten Trockenzeit wieder in den Ruhezustand verfallen.

M. aurantiaca
M. chunii
M. dasycarpa
M. laterita

M. mannii
M. ornata
M. rosea
M. rubinea

M. rubra
M. sanguinea
M. siamensis
M. zaifui

Sektion Australimusa

Die 9 Bananen der Sektion Australimusa stammen aus Indonesien, den Philippinen, Papua-Neuguinea und Nordaustralien. Die Früchte sind ungeniessbar oder müssen gekocht werden. Teile der Pflanzen wie Blätter oder Fasern werden im lokalen Kontext aber z. B. für die Herstellung von Seilen verwendet.

M. boman
M. bukensis
M. fitzalanii

M. jackeyi
M. johnsii
M. lolodensis

M. maclayi
M. peekelii
M. textilis

Sektion Ingentimusa

Diese Sektion beinhaltet mit der Musa ingens nur eine einzige Art. Diese Pflanze mit Herkunft in den Bergen von Neuguinea hat es aber in sich. Mit Blattlängen von 5 Metern und Gesamthöhen von bis zu 30 Metern ist die Musa ingens die grösste Pflanze in der Familie der Musaceae.

Kultursorten (Kultivare)

Züchtungen und Kreuzungen haben in der Regel zum Ziel, den Ertrag von Pflanzen zu verbessern. Deshalb handelt es sich bei den meisten Kultursorten um essbare Dessert- oder Kochbananen. Viele Kultursorten sind Kreuzungen aus Musa acuminata und Musa balbisiana. Die genetische Verwandschaft mit diesen beiden Arten wiederspiegelt sich auch in der Gruppierung der Sorten, bei welcher ein ‘A’ einen Chromosomensatz der Musa acuminata und ein ‘B’ einen Satz der Musa balbisiana kennzeichnet. Diploide Sorten aus den Gruppen AA, AB und BB haben zwei, triploide Sorten drei (z.B. AAA oder ABB) und tetraploide Sorten vier Chromosomensätze. Neben den Kreuzungen aus Musa acuminata oder Musa balibisiana gibt es noch die Gruppe der Fei-Bananen, deren Ursprung nicht vollständig geklärt ist, wahrscheinlich aber Wildarten der Sektion Australimusa sind. Eine umfassende Liste verschiedener Kultursorten finden Interessierte auf der Webseite von ProMusa.

Gattung Ensete

Der Scheinstamm einer Ensete hat im Vergleich zu einer Musa eine eher konische Form und ist an der Basis deutlich verdickt. Der Scheinstamm einer Ensete darf unter keinem Umstand eingekürzt werden, sonst geht die Pflanze ein. Im Gegensatz zu einer Musa macht die Ensete keine Kindel, was die Vermehrung aufwändiger macht. Die Pflanzen der Gattung Ensete tragen keine essbaren Früchte, sind aber aufgrund ihrer buschigen Wuchsform schöne Zierpflanzen.

Die Zahl der klassifizierten Arten in der Gattung Ensete unterscheidet sich je nach Quelle. Es sind aber einige wenige Pflanzen und diese werden in der Regel aufgrund ihrer Herkunft gruppiert.

Afrika

E. gilletti
E. homblei

E. livingstonianum
E. perrieri

Asien

E. glaucum
E. lecongkietii

E. superbum
E. wilsonii

Gattung Musella

Die Gattung Musella ist eine monotypische Gattung mit einer einzigen Art:

Musella lasiocarpa

Es gibt zwar Diskussionen über eine mögliche zweite Art, die Musella splendida, aber diese wird in vielen Quellen (noch) nicht als eigenständige Art akzeptiert.

Die Musella lasiocarpa ist eine Scheinbananenart, die abgesehen von der Blüte und den Früchten einer klassischen Banane ähnlich ist. Sie bildet einen konischen Scheinstamm und die Blätter sind bläulich und robust. Die gelbe Blüte gleicht eher einer grossen Artischocke und die Früchte sind kleine Samenkapseln, die keine Ähnlichkeit mit Bananen haben [2].

Literatur & Links

Grundlagen

Musa species (banana and plantain)
Übersicht über die botanischen Eigenschaften und die Kultivierung von Bananen [3].

ProMusa
Plattform mit umfangreicher Wissensdatenbank (Musapedia), Verzeichnis auf wissenschaftlich relevante Publikationen (Musalit) und vieles mehr.

Klassifizierung und Nomenklatur

International Plant Name Index (IPNI)
Internationaler Index der Pflanzennamen mit Suchfunktion.

Typification and check-list of Musa L. names (Musaceae) with nomenclatural notes
Publikation von Häkkinen & Väre, 2008 [4].

World Checklist of Selected Plant Families (WCSP)
Verzeichnis der Pflanzennamen mit Referenzen auf weitere Quellen.

wikispecies.org
Verzeichnis der Pflanzen und Lebewesen.

Banana and plantain – an overview with emphasis on Pacific islands cultivars
Übersicht über die Klassifizierung, Namen und Synonyme [3].

Communities, Foren und Webseiten

www.bananas.org
Webseite mit umfangreichem Forum und Wiki.

International Musa Society
Facebookgruppe mit Liebhabern von Bananen aus aller Welt.

Der Exotengärtner
Informative Webseite über die Freilandkultivierung von Exoten in Zentraleuropa


Quellenangaben

[1] Genetic Resources for Banane Improvement, Häkkinen & Wallace, Banana Breeding,  CRC Press, 2011, Seite 41 ff
[2] Tropische, subtropische und winterharte Bananen, Joachim Jäck, 2011
[3] www.traditionaltree.org
[4] Publications Scientifiques du Muséum national d’Histoire naturelle, Paris, www.mnhn.fr