ANZUCHT AUS SAMEN

Herkunft der Samen

Im Internet findet man unzählige Lieferanten von Saatgut. Diese unterscheiden sich ganz erheblich in Bezug auf die Qualität und die Frische der Samen. Mit frischem Saatgut habe ich schon Keimraten von 50% erreicht, während sich bei schlechte Chargen auch nach über einem Jahr noch nichts tut. Misserfolge sind also vorprogrammiert, denn ein Rückschluss auf die Qualität des Saatguts ist eigentlich nur durch praktische Versuche möglich. Ich verzichte hier auf die Bewertung einzelner Lieferanten, Interessierte finden die Bezugsquellen meiner erfolgreich gekeimten Bananen aber unter “Meine Bananen“.

Samenkörner von verschiedenen Bananengewächsen.

Vorbehandlung der Samen

Es gibt unterschiedliche Anleitungen und Ratschläge, wie Saatgut vor der Aussaat vorbehandelt werden sollte. Fast allen Quellen gemeinsam ist der Hinweis, dass die Samenkörner vor der Aussaat einige Stunden in warmem Wasser eingeweicht und vorgequellt werden sollten. Ich lasse meine Samen 48 bis 72 Stunden in einer Thermoskanne in warmem Wasser vorquellen. Dazu verwende ich abgekochtes Regenwasser, um Kalkablagerungen auf dem Saatgut zu vermeiden. Über die Wirksamkeit dieser Massnahme bin ich mir aber bis heute nicht sicher, denn rein optisch ist den Samenkörnern nach dem Wasserbad nichts anzusehen. Ein Vergleichsversuch mit und ohne Vorquellen von Samen aus der gleichen Charge ist noch ausstehend.

Als weitere Massnahme wird oft auch empfohlen, die Samenkörner vor dem Vorquellen anzuschleifen, anzufeilen oder sogar mit einem Messer anzuritzen. Insbesondere grössere Samenkörner schleife ich mit Schleifpapier etwas an, erziele aber auch Keimungen ohne diese Massnahme. Ich bin der Meinung, dass die Frische des Saatguts und das Vorquellen für eine erfolgreiche Keimung wesentlich wichtiger sind, als das Anschleifen der Samenkörner. 

Auch eine beschleunigte Keimung durch Vorquellen der Samenkörner in Wasserstoffperoxid (H2O2) kann ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen nicht bestätigen. Meine Versuche mit Mischungen von neun Teilen Wasser mit einem Teil 3%-iger H2O2-Lösung beim Vorquellen der Samen haben keine beobachtbaren Verbesserungen bei der Keimzeit oder Keimrate ergeben.

Anzuchtsubstrat und Feuchtigkeit

Das Substrat für die Aussaat muss keimfrei, nährstoffarm (ungedüngt) und durchlässig sein. Für die Keimung von Bananensamen muss es ständig feucht, aber nicht zu nass gehalten werden. Das feuchte Substrat sollte gerade noch etwas tropfen, wenn es mit der Hand ausgedrückt wird. Das Wasser sollte kalk- und keimfrei sein, denn Kalk führt zu keimhemmenden Ablagerungen auf den Samenkörnern und Keime erhöhen das Risiko von Schimmel im Substrat. Ich verwende deshalb bei der Anzucht nur destilliertes Wasser oder abgekochtes Regenwasser.

Auf der Suche nach den optimalen Keimbedingungen habe ich schon mit unterschiedlichen Substraten getüftelt.

Kokohum

Mit Kokohum erziele ich die besten Resultate. Ich setze Kokohum alleine oder als Mischung mit Perlit ein. Kokokum kann im Webshop bei Westfalia bestellt werden. Als Alternative sind im Handel auch Quelltabletten auf der Basis von Kokosfasern erhältlich. Diese verwende ich gelegentlich für die Aussaat von Bananen mit besonders grossen Samenkörnern (z. B. Ensete).

Keimung einer Ensete glaucum in einem Plastikbeutel mit Kokohum.

Perlit

Entgegen vieler gegenteiliger Berichte im Internet, haben bei mir bereits mehrere Arten von Musa in reinem Perlit gekeimt. Perlit hat wegen seiner weissen Farbe den Vorteil, dass Keimungen im Substrat rasch erkannt werden. Früher habe ich in der Anzucht häufig reines Perlit verwendet, setze es inzwischen aber nur noch in Mischungen  mit Kokohum bei der Aussaat und mit Blumenerde bei der Topfhaltung zur Verbesserung der Durchlässigkeit des Substrats ein.

Keimung einer Musa ornata in einem Plastikbautel mit reinem Perlit.

Aussaat- oder Anzuchterde

Auch in Aussaaterde haben Bananensamen bei mir bereits gekeimt. Die Keimraten sind in Kokohum aber wesentlich besser. Ich verwende Aussaaterde aber als Mischung mit Kokohum und Perlit beim Pikieren von frischen Sämlingen mit feinem Wurzelwerk.

Vermiculit

Vor einiger Zeit habe ich einige erfolglose Versuche mit Vermiculit gemacht. Für ein fundiertes Urteil müssten ich aber Versuche mit Vermiculit unter Berücksichtigung von jüngeren Erkenntnissen noch einmal wiederholen.

Steinwolle

Meine Versuche mit Steinwollblöcken sind erfolglos geblieben. Eine mehr oder weniger konstante Feuchtigkeit hat sich in Steinwollblöcken als Herausforderung erwiesen und Austrocknen war ein häufiges Resultat davon. 

Blumenerde

Normale Blumenerde ist für die Aussaat nicht geeignet, denn diese ist zu stark gedüngt und laugt die frischen Wurzeln von Sämlingen aus.

Keimumgebung und Keimtemperatur

Die ideale Keimtemperatur für Bananengewächse liegt zwischen 25 und 28 °C und weil Bananen nicht Lichtkeimer sind, brauchen die Samen für die Keimung kein Licht. Im Sommer ist es ziemlich einfach, im Haus ein Örtchen mit warmen Temperaturen zu finden. Ich benutze aber ein beheizbares Zimmergewächshaus mit Temperaturregelung, um die ideale Keimumgebung  ganzjährig zu gewährleisten.

Das abgedeckte Zimmergewächshaus mit Plastikbeuteln und Jungpflanzen.

Im Internet findet man unterschiedliche Informationen und Meinungen über die Keimtemperatur. Während einige Quellen von konstanten Temperaturen  sprechen, sagen andere, dass quasi ein natürlicher Tag- und Nachtzyklus mit nächtlicher Senkung der Temperatur die Keimung begünstigen soll. Ich habe über mehrere Monate nachts die Heizung im Gewächshaus mit einer Zeitschaltuhr ausgeschaltet. Die Keimrate ging in dieser Periode merklich zurück. Es ist aber durchaus möglich, dass dieser Rückgang auch auf die Qualität des Saatguts, die verwendeten Substrate oder die Jahreszeit (Winter) zurückzuführen ist. Wie dem auch sei, im Moment arbeite ich bei der Anzucht wieder mit konstanten Temperaturen um die 27 °C.

Das feuchte Substrat kann in verschiedene Behälter gegeben werden. Neben Blumentöpfen eignen sich zum Beispiel auch Joghurtbecher, Plastikschalen, abgeschnittene PET-Flachen oder Gefrierbeutel. Die Samenkörner werden ins feuchte Substrat gedrückt und leicht bedeckt. Offene Gebinde verschliesse ich mit Haushaltsfolie und Gummiband und noch einfacher und platzsparender geht es mit den verschliessbaren Gefrierbeuteln. Durch das Verschliessen bleibt die Feuchtigkeit im Substrat es muss nur gelegentlich etwas besprüht werden. Mindestens einmal pro Woche öffne und lüfte ich die Behälter während rund einer Stunde, um Schimmel im Substrat oder Fäulnis der Samen zu vermeiden. Bei dieser Gelegenheit kontrolliere ich den Inhalt auch auf mögliche Keimungen. Spätestens wenn eine Sämling an der Oberfläche zu sehen ist, muss die Folie entfernt und der Behälter ans Licht gestellt werden. Bei der Anzucht in Plastikbeuteln müssen die Sämlinge dem Beutel entnommen und pikiert werden.

Keimzeit

Wer Bananengewächse aus Saatgut züchten will, der muss sehr geduldig sein. Die Keimzeit von Bananensamen ist lang und kann durchaus mehrere Monate betragen! Die kürzeste Keimzeit betrug in meinen bisherigen Versuchen 12 Tage und die längste bis dato 80 Tage. Nach jeweils 6 – 8 Monaten breche ich meine erfolglosen Versuche vor allem aus Platzgründen ab. In einigen Fällen hat das Aufbrechen der Samenkörner nach 8 Monaten aber gezeigt, dass diese durchaus noch intakt wären (was am konsistenten und harten weissen Innern zu erkennen ist). Ich übe mich also weiter in Geduld.

Pikieren der Sämlinge

Mit der Anzuchtmethode in Plastikbeuteln ist man gezwungen, die Samen rasch nach der Keimung aus dem Beutel zu entfernen und zu pikieren. Da die Sämlinge noch klein und die Wurzeln ganz fein sind, ist das eine heikle Sache und nicht jeder Sämling schafft es bis zur Pflanze. Ich pikiere die kleinen Sämlinge in durchsichtige Einweg-Plastikbecher oder in Anzuchttöpfe aus Torf. Als Substrat nehme ich ein Gemisch aus Kokohum, Anzuchterde und Perlit. Blumenerde mit Düngesalzen oder die Zugabe von Dünger laugen die feinen Wurzeln in diesem frühen Stadium aus und die Sämlinge gehen ein. Eine gute Entwicklung erfordert in diesem Stadium viel Licht, weshalb ich in den dunklen Wintermonaten mit künstlichem Licht unterstütze. Die pikierten Jungpflanzen bleiben bei konstanten 27 °C im Gewächshaus, bis sie sich das zweite oder dritte Blatt entwickelt hat.

Pikierte Sämlinge  in Anzuchttöpfen aus Torf  

Durchsichtige Plastikbecher haben den Vorteil, dass die Entwicklung der Wurzeln gut beobachtet werden kann. Dabei gilt es aber zu beachten, dass die Pflanze selber zwar gerne viel Licht mag, deren Wurzeln aber ganz und gar nicht! Deshalb ist spätestens ein Umtopfen der Jungpflanzen angezeigt, wenn das Wurzelwerk an der Wand des Plastikbechers sichtbar wird. Sowohl Einweg-Plastikbecher wie auch Anzuchtöpfe aus Torf haben den von Vorteil, dass sie aufgeschnitten oder aufgebrochen werden können, was das spätere Eintopfen der kleinen und fragilen Jungpflanzen vereinfacht.

Eintopfen und Pflege der Jungpflanzen

Jungpflanzen mit schwachem Wurzelwerk topfe ich zuerst in Anzuchterde und Pflanzen mit starkem Wurzelwerk direkt in Blumenerde. Die Töpfe müssen gut gereinigt und möglichst keimfrei sein. In jeden Topf kommt eine Schicht aus Blähton als Drainage, denn nasses Wurzelwerk führt rasch zu Fäulnis.

Nach dem Verlassen des Gewächshauses müssen Jungpflanzen zuerst an die neuen Temperatur- und Lichtverhältnisse gewöhnt werden. Bei allzu starker Sonneneinstrahlung droht ein Sonnenbrand und bei tieferen Temperaturen mit allzu nassem Substrat droht Fäulnis. Welke braune Blattstellen schneide ich bei Jungpflanzen konsequent zurück, damit die Pflanze die ganze Kraft ins Wachstum stecken kann. Sobald sich die Jungpflanzen an die neue Umgebung gewöhnt haben, setze ich mit einer leichten Düngung ein. Ich beginne mit einem Viertel der empfohlenen Dosierung. Solange die Pflanzen nachts noch im Haus sind, benutze ich einen Flüssigdünger, um die unangenehmen Gerüche eines organischen Volldüngers im Haus zu vermeiden. Weiterführende Informationen zur Topf- und Kübelkultur finden man hier.

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